Warum schreiben sinnvoll ist - obwohl es sich nicht so anfühlt. Ein leerer Block und darauf ein edler Füller liegen auf einem hellen Holztisch. Daneben steht eine weiße Kaffeetasse und ein Büschel Ebereschenbeeren. Photo by Kaboompix via Pexels.

Warum schreiben sinnvoll ist – obwohl es sich nicht so anfühlt

Manchmal springt es ganz unerwartet aus der Ecke hervor, manchmal schleicht es sich klammheimlich an und füllt uns langsam und unbemerkt: dieses widerliche Gefühl, was wir hier eigentlich machen. Wer soll das lesen? Das braucht doch kein Mensch. Schreiben soll sinnvoll sein? Was für ein Unsinn! Alles Mist!

Eine Weile wird der Cursor noch beim Blinken beobachtet. Wenn du ganz tapfer bist, schreibst du sogar noch ein paar Sätze. Aber es fühlt sich alles doof und falsch an und die Worte versiegen wie ein Bach in der Sahara. Also schließt du die Datei traurig und stürzt dich zusammen mit einer cremigen Vollmilch-Nougat-Schokolade in deine Lieblingsserie. Irgendwie muss das Gefühl doch verschwinden!

Oft tut es das auch. Wir haben alle mal einen schlechten Tag oder brauchen dringend eine Pause.

 

Aber gerade aktuell, wo wir uns an Begriffe wie „systemrelevant“ gewöhnen, bleibt das Gefühl völliger Sinnlosigkeit des Schreibens gerne mal wie ein zähes, altes Kaugummi kleben. Wir haben eine Pandemie, sagt das Gefühl vorwurfsvoll. Menschen sterben, wer braucht da noch eine zuckersüße Liebesgeschichte in einem kuscheligen Strandcafé mit blau-weißen Schirmen auf Sankt-Peter-Ording oder Fantasy mit schottischen Werwölfen, Schwertduellen und wilden Jagden durch die nebligen Highlands?

 

Ganz ehrlich? Wir brauchen diese Geschichten. Du, ich, wir alle. Ja, wir brauchen Impfstoffe, mehr Pflegepersonal, eine gerechtere Verteilung der globalen Ressourcen, wirksam umgesetzte Strategien gegen Rechtsextremismus und Klimakrise und immer genug Klopapier im Haus. Aber wir brauchen auch Geschichten.

Das klingt wie eine abgedroschene Phrase, die man in pastellrosa auf einer Postkarte mit Sternen kaufen kann. Aber es ist wahr. Das hat mir 2020 deutlich gezeigt.

Ein kurzer Rückblick auf mein 2020

Das Jahr fing für mich gut an, ein bisschen Routine und Besprechungen für neue, aufregende Projekte. Und dann kam Corona und die Planungen haben sich schneller in Luft aufgelöst als Aerosole.
Dann saß ich im April da und hatte nicht nur keine Aufträge. Bei all den schlechten Nachrichten und den ständig anderen Umständen und Regelungen fühlte ich mich so starr wie das Kaninchen vor der Schlange. An Schreiben war nicht zu denken, ich brauchte einen Großteil meiner Kraft, um irgendwie zurechtzukommen. Außerdem erschien es mir wie eine der mit Abstand sinnlosesten Tätigkeiten seit Erfindung der Schrift.

Einer der Orte, an die ich mich zuverlässig flüchten konnte, waren jedoch Bücher. Kitschige Liebesromane mit Happy End? Her damit! Die Rettung eines schnuckeligen Cafés? Will ich lesen! Harmlos unblutige Krimis am Mittelmeer oder Kanada? Ja, bitte!

Ich habe Gute-Laune-Bücher kiloweise aus der Bücherei ausgeliehen. Mich zwischen zwei Buchdeckeln zu verkriechen hat mir geholfen, klarzukommen und angesichts Lockdown, Maskenverweigerern und anderem Irrsinn nicht durchzudrehen. Die Bücher waren wie ein Halteseil am Abgrund und ein sanftes Licht der Hoffnung, dass es besser wird.

Schreiben ist sinnvoll!

Du siehst, ich habe die Geschichten gebraucht und ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir so ging.
Geschichten sind wichtig. Wir brauchen sie. Auch oder besonders wenn das Leben schwierig, kompliziert und stressig ist wie aktuell, brauchen wir Geschichten aller Art. Tiefgründige und leichte, lustige und traurige, mit und ohne Liebe, Gedichte mit drei Zeilen und Romane mit 2.000 Seiten. Sie geben Halt, erweitern unseren Horizont und ermöglichen es, uns eine bessere Welt vorzustellen.

Doch das tun die Geschichten nicht allein. Sie brauchen die Menschen, die sie schreiben und erzählen. Denn es würde die Geschichten ohne sie nicht geben!

 

Also, ist Schreiben sinnlos? Nein! Sind schreibende Menschen wichtig? Ja, verdammt noch eins! Irgendjemand muss all die Geschichten schließlich auch erzählen.

Gib nicht auf!

Corona ist nicht der perfekte Zeitpunkt, um ein Buch zu schreiben. Doch bitte, bitte gib nicht auf! Glaub dem Gefühl der Sinnlosigkeit nicht, es ist Lügenweltmeister! Schreib weiter!

Wenn du eine Pause brauchst, nimm sie dir. Wenn du mit deinem Text zwischendurch unzufrieden bist, tritt das Zweifelmonster in den Hintern oder verschieb die Verbesserung einfach auf die Überarbeitung. Du musst auch nicht mit 3 fertig geschriebenen Büchern und 20 Kilo Bananenbrot aus dem aktuellen Lockdown kommen und noch zusätzlich 5 Fremdsprachen gelernt haben.

Aber bitte gib nicht auf. Lass dir nicht einreden, dass Schreiben sinnlos wäre und niemand deine Geschichten brauchen würde! Das ist falsch!

Wir brauchen Geschichten. Du, ich, wir alle. Also sollten wir uns darum kümmern, dass es welche gibt. Abgemacht?

7 Gedanken zu „Warum schreiben sinnvoll ist – obwohl es sich nicht so anfühlt

  1. Manchmal ist Schreiben verdammt einsam und verdammt schwer. Du sitzt da und die Worte kommen so zäh, als watest du durch Morast. Die Szenen sind gefühlt Scheisse und die Figuren bleiben blass. Dann denkst du, dass die Welt auch ziemlich gut ohne deine Geschichte auskommen wird und du willst alles hinwerfen. Deshalb hat mir dein Text sehr geholfen. Das Gefühl der Sinnlosigkeit ist damit ein wenig kleiner geworden. So konnte ich mir den längst fälligen Tritt in den Hintern verpassen und mich wieder an den Schreibtisch verkrümeln. Danke danke dafür.

    1. Liebe Margaretha,
      danke und sehr gerne! Ich freue mich, dass du weiter schreibst. Du rockst das! 🙂
      Der Morast ist ein tolles Bild für die Zähigkeit, die sich beim Schreiben manchmal einstellt. Vielleicht hilft es dir, wenn du dir einen Zettel an den Bildschirm oder die Schreibtischlampe hängst, wo sowas wie „Geschichten sind wichtig“ draufsteht?
      Liebe Grüße
      Marie

  2. Das Furchtbare an meiner Schreiberei? Ich bin Quartalsschreiberin. Das heißt, ich schreibe monatelang nichts und dann wieder exzessiv wochenlang.
    Würde das gerne ändern, weil ja … regelmäßig schreiben ist sinnvoll, nur ich kann eben nicht anders. 🙂

    1. Liebe Sabine,
      du kannst versuchen, es zu ändern und dir zum Beispiel feste Termine einzutragen, um 3x die Woche zu schreiben. Oder jeden Tag eine halbe oder ganze Stunde, zum Beispiel direkt nach dem Frühstück, wenn das in deinen Zeitplan passt.
      Oder du nimmst an, dass du quartalsweise schreibst und versuchst dann immer das beste rauszuholen.
      Liebe Grüße
      Marie

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