Was die fehlende Lust zu schreiben mit Pausen zu tun hat. Ein Stapel Kekse auf einem Porzellanteller. Daneben ein Becher, auf dem „NO DRAMA“ steht. Photo by Thomas Bormans on Unsplash

Was die fehlende Lust zu schreiben mit Pausen zu tun hat

Keine Lust zu schreiben. Du meinst, das kann dir niiiiemals passieren? Bist du dir da ganz sicher?

Sei ehrlich, manchmal passiert es einfach. Du sitzt vor dem Bildschirm und schaust zu, wie der Cursor blinkt.

Du hast endlich endlich mal wieder eine Stunde Zeit für deine Geschichte und die musst du natürlich nutzen. Jede Minute mindestens einen Satz, das war dein Plan.

Du wolltest wirklich schreiben. Aber jetzt sitzt du hier und die Worte wollen nicht kommen. Du schreibst einen Satz, korrigierst ihn, löscht ihn wieder.

So wird das nichts. Die Idee ist da, du hast vielleicht sogar gründlich geplottet. Aber statt begeistert zu sein, fühlst du dich so leer wie eine Kürbislaterne. Die passt zwar zur aktuellen Jahreszeit, aber geschrieben kriegst du so auch nichts.

Ablenkung? Ablenkung!

Also tust du etwas anderes. Gibt ja genug zu tun. Für dein anderes Schreibprojekt muss noch dringend was zur Unterhosenmode im 14. Jahrhundert recherchiert werden. Außerdem stapelt sich die Wäsche schon wieder, in der Spüle wartet eine einsame Tasse, dass du sie spülst und dann gibt es noch dieses Video mit den Katzenbabys, das du dir anschauen musst. Außerdem wolltest du noch die Insta-Story für Ende des Monats vorbereiten.

Auf die Frage, wie es aktuell mit dem Schreiben läuft, antwortest du seit Tagen „joah“, „geht so“ oder irgendwas über zu wenig Zeit und zu viel zu tun.

Klar, schließlich willst du niemandem erklären müssen, dass du momentan Probleme beim schreiben hast. Denn eigentlich weißt du es selbst nicht so genau warum. Die Idee der Geschichte ist gut. Mit dem Bau der Welt hast du schon ganze Wochenenden verbracht. Du liebst deine Figuren, besonders die Schwester deiner Heldin ist echt Zucker … aber warum bekommst du das nicht auf das Papier (beziehungsweise in die Datei)?

 

Ich befürchte, die Wahrheit ist ganz einfach: du brauchst eine Pause.

Mach mal Pause

Ja, du hast mich richtig verstanden. Eine Pause. Dieses Ding, wo man mal mit Absicht nichts macht. Keine Wäsche, keine Arbeit, kein Stress – und auch kein Schreiben. Übrigens auch kein Social Media. Ja, das gilt auch für die Insta-Story.

Mach was anderes. Etwas, das nicht auf deiner To-do-Liste steht. Vielleicht spazieren gehen und mit den Füßen im Herbstlaub rascheln. Etwas lesen (keinen Schreib-Ratgeber, das wäre geschummelt). Malen. Backen. Die Halloweendeko anbringen. Dem Eichhörnchen vor dem Fenster zuschauen. Das berühmte Schaumbad nehmen.

Letztlich ist es vollkommen egal, was genau du machst. Wichtig ist nur, dass es dich entspannt. Dass es dir hilft, etwas Stress rauszunehmen. Runterzukommen.

 

Vor ein paar Wochen war ich in genau der Situation. Bock zu schreiben? Nope. Null, nada, keine Spur. Trotzdem war ich die ganze Zeit beschäftigt und habe mir sehr erfolgreich eingeredet, aktuell keine Zeit zum schreiben zu haben.

Du hast es dir wahrscheinlich schon gedacht, ich brauchte dringend eine Pause. Seitdem achte ich auch wieder besser darauf, regelmäßig zu pausieren.

Aber ich hab so viel zu tun!

Klar hast du das. Ich auch. Haben wir alle. Schnödes Geldverdienen, Familie und Freunde, die Wollmaussippe unter dem Bett, der anklagende Wäscheberg und die Insta-Story. Dazu noch täglicher Sport, gesunde Ernährung (wie, nicht nur Schokolade?) und die aktuelle Pandemie. Außerdem muss vielleicht noch dein Hamster zum Friseur und es warten mindestens 5 aktuelle und zukünftige Schreibprojekte auf dich. Die Recherche für das eine (wie war das mit den Unterhosen?) und das andere schon mal vorplotten. Und dann wolltest du ja auch noch an diesem Wettbewerb teilnehmen und du brauchst noch ein Geschenk für Tante Hannelore am Wochenende und …

 

Halt, stopp! Irgendwie ist jede Minute mit To-dos vollgestopft. Wann willst du bei dem ganzen Stress noch Luft holen?

Die Kreativität und die Lust zu schreiben haben sich längst verkrümelt. Die können nämlich mit zu viel Stress gar nicht gut umgehen und schleichen sich still und heimlich aus dem Raum.

Und dann sitzt du da und starrst den Bildschirm an.

So ein Cursor kann zwar ganz nett blinken, aber ganz ehrlich: Klapp den Laptop zu. Mach eine Pause.

Take A Break

Pausen sind wichtig. Nicht nur, damit die Lust zu schreiben irgendwann wieder kommt. Denn das wird sie tun, wenn du den Kopf wieder etwas freier hast.

Eine Pause, eine richtige Pause, bedeutet nämlich, dass du dich entspannen kannst. Und Entspannen ist allgemein wichtig für die Psyche. Das gilt nicht nur für uns Schreibende oder während einer Pandemie. Zu viel Stress ist ungesund.

So rein theoretisch wissen wir das natürlich. Trotzdem stressen wir uns viel zu oft und zu viel.

Damit will ich nicht sagen, dass die ganzen To-dos nicht ihre Berechtigung haben. Sie sind wichtig. Aber durchatmen und Pause machen ist auch wichtig, schon für deine eigene Gesundheit.

Keine Lust zu schreiben ist ein Zeichen

Wenn du also keine Lust zu schreiben hast, ist das ein Anzeichen, dass du dringend eine Pause brauchst. Und Zeichen – ob nun Anzeichen, Vorzeichen oder sonstige Zeichen – sollte man nicht ignorieren. Als Schreibende wissen wir das ganz besonders gut: Einmal die Prophezeiung ignoriert und zack, Weltuntergang.

Also besser auf die Anzeichen achten und sie ernst nehmen. Das gilt auch bei Pausen und der Schreib-Unlust.

Was hast du gesagt? Du kannst das nicht mit der Pause? Du hast dann ein schlechtes Gewissen, weil Arbeit liegen bleibt? Ganz ehrlich, geht die Welt unter, wenn du dir jetzt eine Stunde frei nimmst? Okay, zu lang? Wenigstens eine Viertelstunde? Passiert dann etwas wirklich schlimmes? So auf dem Niveau eines Weltuntergangs oder wenigstens eines Wasserrohrbruchs schlimm? Nein?

Dann mach eine Pause. Du hast hiermit meine schriftliche Erlaubnis dazu. Für heute, morgen, das Jahr und überhaupt.

Plan dir Pausen ein

Leider reicht es natürlich nicht aus, wenn du jetzt eine Viertelstunde Pause machst und dann die nächsten Monate wieder komplett im Stress versinkst. Die Lust zu schreiben springt deswegen nicht auf magische Weise wieder aus der Ecke. Auch deine Psyche hätte gerne etwas mehr Entspannung als alle Jubeljahre 15 Minuten.

 

Darum sollten Pausen letztlich Teil des Alltags sein, auch des Schreiballtags. Eine liebe Autorenkollegin setzt sich deswegen Pausen auf ihre To-do-Liste. Ich mache (meistens) sehr bewusst Feierabend. Vielleicht sind das auch Möglichkeiten für dich, wie du Pausen in deinen Schreiballtag integrieren kannst. Oder du machst eine lange Mittagspause oder nimmst dir einen Tag in der Woche frei. Vielleicht musst du etwas herumprobieren, bis du gefunden hast, wann und wie du am besten pausieren kannst.

 

Aber du hast so viel zu tun? Ja, ich weiß, meine Figuren schimpfen auch mit mir, wenn ich sie zu lange ignoriere. Und wie böse die To-do-Liste gucken kann, willst du gar nicht wissen.

Aber mal ehrlich, was glaubst du, wann du mehr und besser schreiben kannst? Wenn du dich stresst? Leer wie eine Kürbislaterne den Cursor anstarrst? Oder wenn du den Kopf frei hast und es nur so in deinen Fingern kribbelt? Na, was meinst du?

Ist klar, oder?

Her mit Kakao, Schaumbad und Pause

Also, ignoriere es nicht, wenn du keine Lust zu schreiben hast. Nimm es als Anzeichen, dass du eine Pause brauchst.

Hab bitte kein schlechtes Gewissen, wenn du mal einen Abend nicht geschrieben hast, sondern ihn mit einem guten Buch und einem Becher heißen Zimttee verbracht hast. Sei stolz auf dich, du hast eine Pause gemacht und was für dich. Schreiben ist kein Wettbewerb. Betrachte dich und deine Situation mit Freundlichkeit. Würdest du deine beste Freundin stressen, wenn sie in deiner Situation wäre? Ich glaube nicht.

Darum gönn dir die Pause. Schnapp dir einen Kakao, knusprige Haferkekse und dein Lieblingsbuch und ab in die Badewanne oder auf’s Sofa! Oder geh spazieren. Das Schreiben klappt danach umso besser (und deine Psyche hat auch noch was davon).

 

Wie machst du am liebsten Pause? Schreib es unten in die Kommentare.

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