Welcher Name passt zur Hauptfigur - Teil 2. Unsortiert herumliegende Scrabblesteine. Photo by Clarissa Watson on Unsplash

Welcher Name passt zur Hauptfigur – Teil 1

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Welcher Name passt für die eigene Hauptfigur? Klar, jede Figur in deiner Geschichte braucht einen Namen. Das gilt eventuell nicht für den dritten Fackelträger hinten links, aber schon für die wichtigen Personen im Buch: Heldin, Schurke, Eltern der Heldin (wenn sie noch leben) und so weiter. Aber besonders die Wahl eines Namens für die eigene Heldin und ihren zukünftigen Liebhaber fällt oft schwer.

Manchmal ist von Anfang an klar, wie sie heißt. Zack, Name, Aussehen, alles da. Aber manchmal wird die Liste der möglichen Namen mehrere Seiten lang und die schmutzigen Teller in der Spüle und der Staubsauger sehen plötzlich seeeehr spannend aus. Und die Fenster wurden auch schon eine Ewigkeit nicht geputzt.

Du kannst ja schließlich nicht irgendeinen Namen nehmen. Für die Heldin der Geschichte muss es schließlich etwas besonderes sein. Ein schöner Name. Einer, den man sich gut merken kann. Der nicht ständig mit anderen Namen verwechselt wird. Der gut klingt. Der zu ihr passt. Der zu der Kultur passt, aus der sie stammt. Am besten sagt er auch noch etwas darüber aus, wie besonders sie ist, wie gut sie mit Drachen umgehen kann und Feuermagie beherrscht und …

Halt! Stop! Durchatmen!

Wann passt der Name?

Genau an der Stelle wird es manchmal seltsam. Die Heldin bekommt einen Namen, der total gut zu ihr passt, wie sie mal sein wird. Am Ende des Buches. Oder zumindest in der Mitte. Sie bekommt einen Namen, der zu einer Heldin passt, einer Weltenretterin, Magierin oder Drachenreiterin. Aber nicht zu der Person, die sie am Anfang der Geschichte ist. Wenn sie noch nicht weiß, dass sie die Welt retten oder auf Drachen reiten wird. Wenn sie noch ein normales Leben als Bauerntochter oder Prinzessin, als Schülerin oder Managerin führt. Eben bevor die Geschichte losgeht. Denn in der Zeit hat sie ja ihren Namen bekommen.

Ich weiß, ich weiß, du hast dir so viel Mühe gegeben, einen richtig guten, stimmigen Namen für deine Hauptfigur zu finden. Und er ist wichtig und passt sooooo gut zu ihr. Ja, jein, nein. Deine Heldin war doch mal jemand bevor sie zur Weltenretterin und Magierin wurde.

Ganz ehrlich, woher sollten die Eltern deiner Heldin bei der Namensgebung denn wissen, dass ihr Kind einmal eine geniale Feuermagierin wird und die Welt rettet? Hat es ihnen jemand gesagt oder eine mysteriöse Nachricht geschrieben? „Dieses Kind braucht einen Namen, der irgendwas mit Feuer und Rot zu tun hat. Wir können nicht verraten, warum, aber es ist wichtig. Danke, Tschüss.“

Wenn das in deiner Geschichte vorkommt: sehr cool, ich schwenke die Cheerleading-Puschel!

Aber meistens ist das doch eher unwahrscheinlich. Schließlich wachsen viele zukünftige Weltenretterinnen ja auf, ohne zu wissen, dass sie große Kräfte haben und später Heldentaten vollbringen müssen. Sie sollen es ja noch gar nicht wissen! Es ist doch Teil deiner Geschichte, dass deine Heldin ihre Kräfte entdeckt. Aber warum bekommt sie dann einen Namen, in dem das schon alles drin steckt und der es verrät? Warum bekommt sie einen Namen, der sie von Anfang an mit dem Stempel „zukünftige Weltenretterin“ herumlaufen lässt?
Warum bekommen sie keinen Namen, der das noch nicht verrät? Einen, der in ihrer Welt total normal ist? Der dazu passt, dass Pubertät und Pickel, ein künftiger Ehemann oder der blöde Kollege aus dem Nachbarbüro gerade ihre größten Probleme sind?

Stattdessen steht die arme Hauptfigur mit einem Namen da, der überhaupt nicht zu dem passt, wie sie am Anfang ist. Nix mit mächtige Feuermagierin und Weltretten, sie weiß ja noch nicht mal, dass sie zaubern kann!

Nicht zu viel verraten!

Da reibt sich doch jeder miese Oberschurke die Hände. Er muss nur auf den Namen achten und weiß gleich, wen er als nächstes umbringen lassen muss. Und dann war es das mit dem Drachenreiten, Weltretten und deiner Heldin.

Und hätten die Eltern ihr Kind wirklich so genannt? Oder hast du als Autorin das nur gemacht, weil du ja schon weißt, dass die Heldin mal die Welt retten wird? Weil du ihren Charakter und sämtliche ihrer Geheimnisse kennst und weißt, wie sie sich entwickeln wird?

Du triffst eine Aussage über die Zukunft deiner Figur und über den Ablauf der Geschichte, wenn du ihr einen Namen gibst, der beinhaltet, wie sich die Figur entwickeln wird.

Willst du das deinen Lesern schon von Anfang an verraten? Oder sollen sie es doch lieber beim Lesen selbst herausfinden? Was meinst du, hm?

Warum guckst du so betreten zur Seite? Du hast schon mal eine Heldin Raven oder Draconita genannt? Alles gut, das habe ich auch schon gemacht. Mehrfach. Passiert mir immer noch.

Zum Beispiel bei Pericomo aus Kurs Südmeer*: Er hatte zuerst einen Namen, der dazu passte, dass er Priester der Göttin Peraine ist. Was im Roman wichtig wird, aber eben nicht in den ersten paar Kapiteln. Aber es erschien mir total sinnvoll: Peraine-Geweihter, Peraine im Namen, fertig. Dass er aber ja auch ein Leben davor hatte, habe ich bei der Namensgebung erstmal knallhart verdrängt und ihn Perainidan genannt. Als mir auffiel, dass er ja auch mal etwas anderes war als Priester (was im Roman sogar vorkommt), musste ein anderer Name her.
Letztlich habe ich ihn sogar dreimal umbenannt, zuerst hieß er Perainidan (zuviel Peraine), dann Peridan (das war mir zu generisch), bis schließlich Pericomo daraus wurde.

Und ja, das hat gedauert.

Muss kurz den Namen wechseln, bin gleich wieder da

Es ist wirklich nicht einfach, einer Hauptfigur einen guten Namen zu geben. Absolut überhaupt gar nicht. Und es blockiert den Schreibfluss, wenn die Hauptfigur nur einen Platzhalter-Namen hat. Niemand will die Abenteuer von XXXHauptfigur, CoolerName oder Heldin-besser-noch-umbenennen lesen, geschweige denn schreiben! Also schreib bloß erstmal mit dem Namen, der schon alles verrät. Ändern kannst du ihn später immer noch.

Sie übrigens auch. Ja, deine Heldin kann ihren Namen im Verlauf der Geschichte ändern. Wenn sie endlich die magische Kraft ihres Familienamuletts entdeckt oder nach schwierigen Prüfungen in die Drachenreiter-Gilde aufgenommen wird, kann sie einen neuen Namen annehmen. Einen, der verrät, dass sie Feuermagierin oder Drachenreiterin ist. Einen, der mehr nach Heldin klingt. Vielleicht sogar den, den du ihr eigentlich geben wolltest.

ABER und das ist ein großes Aber, pass dabei gut auf, dass du deine Leser nicht verwirrst. Die haben die Heldin unter ihrem ersten Namen kennengelernt. Wenn sie jetzt plötzlich einfach anders heißt, ist das sehr irritierend und wirkt schlampig.

Wenn deine Heldin den Namen wechselt, musst du es so erklären, dass deine Leser es verstehen. Denk immer dran, die sind nicht in deinem Kopf, die wissen über deine Heldin und die ganze Geschichte nur, was du ihnen verrätst. Wenn es nur in deinen Gedanken, aber nicht im Text ist, können es deine Leser nicht wissen. Eigentlich klar, oder?
Also, bau die Erklärung in die Geschichte ein. Ein hektischer Namenswechsel in einer dunklen Taverne auf der Flucht vor dem Oberschurken oder eine feierliche Namensverleihung während eines magischen Rituals ist viel spannender und bleibt deinen Lesern schneller und besser in Erinnerung als ein plötzliche Namenswechsel von Kapitel 10 zu 11.

Außerdem bietet es dir noch einen Haufen Gelegenheiten, mehr über deine Heldin zu erzählen. Mag sie ihren neuen Namen? Findet sie, dass er zu ihr passt? Oder wäre sie lieber immer noch die Person vom Anfang der Geschichte? Übernimmt sie den neuen Namen schnell in den Alltag oder besteht sie auf ihrem alten? Vielleicht sehnt sie sich kurz vor dem Endkampf nach der Zeit, als sie noch Kathi hieß und nicht wusste, dass sie zaubern kann?

Der Name kann hier ein Werkzeug sein, zu zeigen, wie weit deine Heldin ihre Rolle als Weltenretterin angenommen hat, ohne dass du so wortwörtlich in den Text schreiben musst.

Show, don’t tell heißt es, zeigen, nicht erzählen. Der Umgang deiner Heldin mit ihrem neuen Namen kann eine Gelegenheit dafür sein. Aber komm nur deshalb nicht auf die Idee, dass deine Heldin unbedingt zwischendurch den Namen ändern muss. So war das nicht gemeint. 😉

Mehr Mut für „unauffällige“ Namen

Also, ich verstehe total, warum du deiner Heldin einen interessanten Namen geben willst. Dass du es unpassend findest, wenn sie als Weltenretterin und Drachenreiterin immer noch Anna oder Conny heißt. Drachenreiterin Conny klingt wirklich furchtbar!

Aber es ist traurig, wenn deine Heldin von Anfang an einen Namen hat, der ihr keinen Raum gibt, mal etwas anderes als eine Heldin gewesen zu sein. Der ihr gleich einen Stempel aufdrückt und außerdem allen verrät, dass sie die Welt retten muss und besonders gut Feuermagie beherrscht oder mit Raben oder Drachen sprechen kann. Bring deine Leser nicht von Anfang an um die Chance, zusammen mit deiner Hauptfigur herauszufinden, dass sie eine Heldin ist.

Also, mehr Mut für Namen, die nicht gleich verraten, dass wir es hier mit der Heldin zu tun haben. Ich bin mir sicher, du wirst einen finden (und wenn nicht, gibt es Teil 2, wo ich dir eine Reihe Methoden der Namensfindung vorstelle).

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