5 Tricks, wenn sich dein Text schlecht anfühlt

Hilfe, ich finde meinen Text schlecht! – meine 5 Tricks dagegen

Manchmal passiert es einfach, eben war der Text noch in Ordnung und beim erneuten Lesen gefällt er dir nicht mehr. Mir passiert es regelmäßig, dass ich meinen eigenen Text schlecht finde und am liebsten alles löschen würde.

Damit meine ich nicht die Gedanken, dass diese Stelle besser wird, wenn Figur A schreit statt spricht, Figur B früher die Flucht ergreift oder der Infodump kürzer wäre. Das sind gute Gedanken, die den Text besser machen.

Nein, ich meine das lähmende Gefühl, dass einem der eigene Text einfach nur noch wie der allerletzte Müll vorkommt. Die Figuren sind doof, die Sätze zu lang oder zu kurz und überhaupt ist der ganze Text schlecht, mies, kacke und voll für die Tonne.

Meistens schleicht sich dieses Zweifelmonster an, wenn ich eh schon müde oder anderweitig etwas neben der Spur bin. Manchmal funktioniert die Geschichte auch aus anderen Gründen nicht. Ich habe keinen Überblick, wie viel Text diesem Monster schon zum Opfer gefallen sein mag, du wahrscheinlich auch nicht, aber es war sicher einiges.

Im Laufe der Zeit habe ich aber einige Kniffe entwickelt, mich von der Monsterstimme nicht in den Löschwahnsinn treiben zu lassen.

 

Such dir aus, welcher Trick dir hilft, um das Monster zu vertreiben:
#1 Verschiebe es auf später

Sag dem Monster, dass du dich später mit seinen Einwänden beschäftigst. Sag dir und dem Monster deutlich und wenn es sein muss auch laut, dass es nur die erste/zweite Version, eine Rohfassung oder ein Schreibexperiment ist und dass du später immer noch überarbeiten kannst. Und dann mach weiter! Ja, das meine ich ernst. Lass den Text so schlecht, wie er sich gerade anfühlt und schreib weiter. Lass ihn in Ruhe, fass ihn nicht weiter an, sondern wende dich der nächsten Szene oder sogar einem anderen Kapitel zu.

Sollte dich dieses Monster beim Überarbeiten erwischen, kannst du natürlich nicht weiterschreiben. Aber auch dann kannst du die aktuelle Szene liegen lassen und mit der nächsten weitermachen.

#2 Mach eine Pause

Dieser Trick ist der mit Abstand einfachste von allen und verwirrt das Zweifelmonster, oft vertreibt er es sogar. Speichere den Text und mach eine Pause. Und zwar eine richtige, keine eilige Pinkelpause. Steh auf, verlass den Computer, geh einkaufen, duschen, Kaffee trinken, zum Sport …

Vollkommen egal was, Hauptsache, es bringt deinen Kopf auf andere Gedanken. Die Länge der Pause ist gar nicht soo wichtig, für mich sind oft 10-15 Minuten ausreichend (gerne in Kombination mit #1), du brauchst vielleicht etwas mehr oder weniger. Einfach ausprobieren.

Entscheidend ist nur, dass du dich mit deiner Pausentätigkeit mehr beschäftigst als damit, wie schlecht du deinen Text gerade findest, so dass deine Gedanken etwas Abstand bekommen. Und dann ist das Zweifelmonster nach der Pause oft schon wieder abgereist oder du findest eine Lösung, wie du den Text besser machen kannst.

#3 done is better than perfect oder 80/20

Ganz ehrlich, ich bin auch eine ziemliche Perfektionistin, was meine eigene Arbeit angeht, wobei mir zwei Jahre arbeiten auf Deadline da einiges ausgetrieben haben. Denn die ungeschönte Wahrheit ist leider, dass ein Text NIE perfekt sein wird und manchmal einfach eine Druckdeadline ansteht. Klar, du kannst es versuchen und wieder und wieder und wieder überarbeiten. Aber wenn du ihn zehntausend Mal überarbeitest, erklärst du ihn vielleicht nach 50 Jahren für fertig und so lange willst du doch nicht warten, oder?

Also ändere das Ziel in 80 Prozent Perfektion, schließlich ist 80 Prozent von perfekt immer noch ziemlich gut. Überlege dir genau, wie diese 80 Prozent aussehen müssten und überprüfe den Text noch einmal neu, ob er immer noch so schlecht ist, wie du gedacht hast. Spoiler: ist er meistens nicht.

#4 Einmal richtig jammern

Manchmal ist das Monster hartnäckig und will einfach nicht verschwinden. Du hast alles versucht, aber du findest deinen Text immer noch schlecht und blöd. Dann brauchst du Verstärkung. Ruf deine beste Freundin an, geh in deine Schreibgruppe, schick mir eine Nachricht und jammere so richtig rum. Lass alles raus, die hässlichen Details über deine widerspenstigen Figuren, deinen miesen Schreibstil mit viel zu langen Sätzen, die ewiggleichen Verben und was dir sonst noch so einfällt.

Übertreibe so richtig maßlos, dein Text ist zum Beispiel so schlecht, dass es das Raum-Zeit-Kontinuum zerreißt, wenn man ihn vorliest. Je absurder, desto besser, denn spätestens beim Lachen über die Absurditäten verschwindet das Monster wieder. Lachen können Zweifelmonster nämlich gar nicht ausstehen. Außerdem fällt einem beim jammern oft etwas dazu ein, warum sich der Text schlecht angefühlt hat und wie er sich verbessern lässt.

Vorsicht: dieser Trick lässt sich nicht zu oft anwenden, ohne seinen Mitmenschen auf die Nerven zu gehen. Wichtig dabei ist auch, nicht zu lange zu jammern. Schließlich soll es ja kein Jammerwettbewerb werden, sondern das Zweifelmonster vertreiben.

#5 Vergleiche deinen Text mit einem alten

Wir alle haben doch irgendwelche Ecken mit alten Texten, die wir vor allen verstecken, weil wir sie mittlerweile grauenhaft finden. Nimm dir einen davon, am besten einen, der dir richtig peinlich ist und lies ein paar Seiten davon. Dann schau dir deinen aktuellen Text wieder an. Du kannst an diesem Vergleich gut ablesen, wie sehr du dich verbessert hast und dabei feststellen, dass dein aktueller Text doch nicht schlecht ist.

Vorsicht: mir kann es bei dieser Methode manchmal passieren, dass ich mich festlese und auf Ideen komme, wie ich die alte Geschichte retten kann. Die Strategie ist also nicht geeignet, wenn du es eilig hast.

Jetzt bist du an der Reihe:

Welchen dieser Kniffe nutzt du, um das Zweifelmonster loszuwerden? Was hilft dir am Ball zu bleiben, wenn du das Gefühl hast, dein Text sei so richtig schlecht?

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